German Comic Con Dortmund 2019

German Comic Con Dortmund 2019

Genre: Event / Messe / Convention

German Comic Con Dortmund 2019   10.12.2019 von LorD Avenger

Die Comic Con ist eine absolute Institution für Fans von Comics, Superhelden, Filmen und Serien, Actionfiguren, Spielzeug und Videogames - zumindest die ursprüngliche in San Diego, USA. Ob die deutschen Ableger, speziell die German Comic Con in Dortmund, an den Kult anknüpfen können, klären wir heute...

 

San Diego Vs. Dortmund

 

Sobald die San Diego Comic Con jedes Jahr im Juli stattfindet, kommt man im Grunde genommen nicht an ihr vorbei, wenn man ein Fan von Popkultur ist. Speziell auch über das Internet bei uns bekannte Late Night Show-Hosts wie Conan O'Brien, Comedians wie Gabriel Iglesias und diverse YouTuber haben eine Woche lang gefühlt kein anderes Thema. Auch auf den bei uns veröffentlichten Heimkinoversionen von amerikanischen Hit-Serien, wie z.B. Supergirl, findet man eigentlich zu jeder neuen Staffel einen Panel-Mitschnitt, in dem die Hauptdarsteller auf der Comic-Con interviewt werden und Fan-Fragen beantworten. Pompöse Stände, die man hierzulande in ähnlichen Kreisen nur von der gamescom kennt, gigantische Hallen voller Merchandise und Menschen und allen voran natürlich die aktuellen Superstars aus Film und Fernsehen.

 

San Diego hat Dortmund natürlich einiges voraus. Zum einen wurde die amerikanische Messe bereits 1970 etabliert und existiert somit nächstes Jahr für ein halbes Jahrhundert. Darüber hinaus gibt es viele TV-Sender oder Streaming-Dienste, die dort drüben im Fokus stehen und Werbung für sich machen, die ihren Weg noch nicht zu uns gefunden haben. Entsprechend arbeitet die German Comic Con natürlich mit einem völlig anderen Budget und das sollte man stets im Hinterkopf behalten - andererseits sollte man auch nur aufgrund dessen nicht durchgängig beide Augen zudrücken. Auch die German Comic Con feiert bereits ihr fünftes Jubiläum und zieht tausende Menschen an. Grund genug also, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln und aus vergangenen Fehlern zu lernen.

 

Die German Comic Con 2019

 

Gleich am Samstag machte ich mich auf nach Dortmund - entgegen besseren Wissens mit dem Auto. Abgesehen vom unvermeidlichen Stau an den entsprechenden Autobahnausfahrten, gab es auch so gut wie kein Durchkommen um die Westfalenhallen herum. Mit zunehmender Ungeduld wurden Autofahrer an abgesperrten Straßen von wenig hilfsbereitem Ordnungspersonal weggewunken, obgleich ihre Absperrungen den Weg zu den einzig ausgeschilderten Parkplätzen blockierten. Dass am selben Tag direkt nebenan im Stadion ein BVB-Spiel stattgefunden hat war bei der Anfahrt auch nicht hilfreich. Nach rund einer Dreiviertelstunde Start-und-Stopp-Verkehr in Reichweite der Messe erreichten wir endlich einen 7 Euro teuren Schotterparkplatz, von dem aus es noch gute 600 Meter zum Nordeingang der Messe waren. Der Nordeingang war auf der Comic Con-Website übrigens nicht angegeben, lediglich eine wenig hilfreiche Hausnummer und eine Beschilderung vor Ort suchte man auch vergeblich - das erste geschriebene "Comic Con" fand man tatsächlich erst am Eingang. Das könnte man noch ein bisschen schöner lösen - auch, um einfach Präsenz zu zeigen.

 

Wenig dekorativ ging es dann im äußerst geräumigen Glas-Foyer weiter, in dem im Grunde genommen nur eine kleine Bühne das Branding der Comic-Messe trug. Auf der Bühne wurde gerade Dominic Purcell zu seinen Rollen in Prison Break und DC Legends of Tomorrow befragt von Moderator und Publikum. Die Anzahl an Fans war sehr übersichtlich, sodass man überraschend nah an die Bühne heran konnte.

 

Weiter ging es in die direkt anliegende erste Halle, in der sich die Händler niedergelassen hatten. Ein eingegrenzter Bereich stellte einen DVD- und Blu-Ray-Flohmarkt dar, während sich andere Anbieter die restliche Halle mit Shirts, Postern, Figuren, Schmuck und Nachbildungen aus diversen Filmen sowie Serien teilten - so konnte man beispielweise Plastik-Replicas der Avengers-Waffen erwerben. Ich war etwas schockiert darüber, dass "Flohmarkt" hier augenscheinlich das vorgegebene Thema zu sein schien. Alle Stände waren lieblos hingeschmissene Ansammlungen von Kram, wenig mühevoll auf ihren teils kahlen Tischen präsentiert. Einige Händler grenzten ihren Stand sogar mit nackten, zerbeulten und anders mitgenommenen Pappkartons ein, die wild durcheinander in den Gang hineinragten und alles andere als ein schönes Bild abgaben. Auch die Auswahl an Händlern und Produkten war ziemlich ernüchternd - mit Ausnahme der Plastik-Waffenmanufaktur stach nichts wirklich heraus und nichts präsentierte sich annähernd interessant genug, um Geld dort lassen zu wollen. Wenn ich allein an die schick beleuchteten Figuren-Vitrinen im Händlerbereich der gamescom zum Beispiel denke, gibt das schon ein ganzheitlich hochwertigeres Bild ab. Auch verstärkte der Umstand, dass sich kein namhafter Anbieter (z.B. Figuya) blicken ließ, den Flohmarktcharakter - alles sah ein bisschen nach ambitionierten Privatleuten aus. Vielleicht spricht da zu sehr der Marketing-Mann aus mir, aber speziell diese Halle braucht dringend mehr Branding.

 

Bildergalerie von German Comic Con Dortmund 2019 (8 Bilder)

Die anschließende zweite Halle war bunt gemischt. Neben den ersten Möglichkeiten etwas zu essen (Crêpes), fand man hier auch endlich die Comic-Stände, die sich glücklicherweise deutlich professioneller und vorzeigbarer präsentierten - viele gab es davon aber nicht. Ihnen gegenüber saßen eine Handvoll Zeichner, die Aufträge annahmen. Man sah sie ständig über ein Blatt Papier gebeugt, das Smartphone mit der Referenzabbildung neben sich. Auf der anderen Seite der Halle gab es dann eine Reihe Fotogelegenheiten für Film-Fans - ein X-Wing aus Star Wars in Originalgröße konnte für ein Foto besetzt werden, ebenso zwei schick beleuchtete DeLoreans aus Zurück in die Zukunft oder eine sehr behelfsmäßige Jurassic World-Kulisse. Der Haken an der Sache: Schilder weisen bereits vorab darauf hin, dass Fotos "gegen eine Spende" gemacht werden durften.

 

Das hintere Drittel der Halle war von der Hauptbühne eingenommen, die von Tribünen und Absperrband eingekesselt war. Unzählige Menschen tummelten sich aneinandergekuschelt, um in diesem speziellen Moment Schauspieler Jake Busey (Stranger Things, From Dusk Till Dawn) beim Interview zu lauschen. Die komplett auf The Walking Dead gebrandete Bühne war endlich mal etwas, das auf der Messe etwas hermachte und wenigstens ein wenig originalen Comic-Con-Charakter mitbrachte - auch wenn sie sehr abgekapselt und beinahe fehl am Platz in der Halle wirkte.

 

Durch einen Tunnel ging es rüber in die dritte und ärmlichste Halle von allen. Großflächig präsentierte eine polnische Firma wirklich tolle, große und detailverliebte Nachbildungen von Star Wars-Raumschiffen, während daneben aus LEGO eine komplette außerirdische Wüstenstadt errichtet worden war. Die Hauptdaseinsberechtigung und der größte Magnet für weibliche Besucher war aber wohl die Rosewood Reunion - eine "Messe" in der Messe, wie der lieblos abgegrenzte Bereich deutlich machte, für dessen Betreten dreisterweise zusätzliche fünf Euro verlangt wurden. Dieser Bereich war komplett der inzwischen beendeten Serie Pretty Little Liars gewidmet, deren Hauptdarsteller in Dortmund tatsächlich sehr präsent waren. Doch nicht einmal Hardcore-Fans können sich besonders über den Sonderbereich gefreut haben, denn es handelte sich dabei im Grunde genommen nur um eine erbärmlich leere Hallenhälfte. Wiederum eine Hälfte davon beinhaltete nichts weiter als Rollups der einzelnen Staffelcover, eine Fotokulisse mit Tischchen und Gartenstühlen und einer kleinen Make Up-Station, an der man sich im Stil der Serie herrichten lassen konnte. Im Grunde zahlte man die Zusatzgebühr also nur für das hinterste Viertel der Halle, in der überwiegend leere Stuhlreihen vor einer großen Bühne aufgebaut waren, auf der die Hauptdarsteller Fragen aus dem Publikum falsch verstehen und selbst interpretiert beantworten.

 

Außerhalb des geschlossenen Rosewood Reunion-Bereichs trafen wir dann die ersten Autogrammstände an - in einem Kreis aufgestellte Tische preisten entweder den bald dort sitzenden Darsteller aus Pretty Little Liars an oder eine kleine Schlange bildete sich dort, wo tatsächlich jemand saß. Wie wichtig der Charakter für die Serie war oder wie beliebt er noch heute ist, kann man am Preisschild am Tisch ablesen - für Autogramme oder Selfies zahlt man zwischen 30 und 100 Euro. Kein Wunder, dass viele der kleinen Mädchen dort schon überglücklich damit waren, von der Hallenwand ein Selfie mit sich und dem weit entfernten Star inmitten der Menschenmasse zu machen.

 

Mit ähnlich unverschämten Preisen ging es dann in der letzten, oben gelegenen Halle weiter, in die die restlichen Promis abgeschoben wurden. Entlang aller vier Wände waren die Katzentische aufgebaut mit einem Preisschild darauf und einem Rollup dahinter, dass den Promi in einer möglichst wiedererkennbaren Form präsentiert mit seinem Namen darüber und den Werken darunter, aus denen man ihn kennen könnte. Äußerst hilfreich, da man den Großteil ansonsten eventuell nicht mal von den Comic Con-Mitarbeitern hätte unterscheiden können. "Stars" wie Brenda Strong, Jake Busey oder Jeremy Davies haben Wiedererkennungswert durch ihre teils sogar aktuellen Auftritte in Serien wie Supergirl oder Supernatural, die wenigstens würden aus dem Stehgreif aber ihre Namen parat haben - wenn überhaupt die Namen ihrer sporadischen Nebenrollen. Das gilt auch für Game of Thrones-Darsteller wie Ross Mullan, der ohne sein Make-Up als Weißer Wanderer fast so unkenntlich ist wie Liam "Davos" Cunningham ohne seinen markanten Vollbart. Eine bessere Figur machte da Nathalie "Missandei" Emmanuel, die mit ihrer identischen Frisur und dem hübschen Gesicht genauso ansehnlich ist wie in der Serie. Auch Arrow-Darsteller wie Manu "Deathstroke" Bennett oder Katie Cassidy hatten Tische vor Ort - ebenso Rocksänger Meat Loaf (warum auch immer).

 

Die Headliner, u.a. der inzwischen 81-jährige Christopher "Doc Brown" Lloyd, Tom "Draco Malfoy" Felton und - Trommelwirbel - Nick Carter von den Backstreetboys versteckten sich in Kabinen. Das hat sicherlich auch sicherheitstechnische Gründe, da man bei diesen Darstellern tatsächlich eine gewisse Art von Ansturm erwarten könnte und weder die Autogrammgeber an den Tischen, noch die Bühnen mit Sicherheitspersonal aufwarten.



Cover & Bilder © www.sofahelden.de


Das Fazit von: LorD Avenger

 LorD Avenger

Natürlich hatte ich in Dortmund nicht mit San Diego-Dimensionen gerechnet, aber etwas mehr Liebe hätte dennoch in das Event fließen können. Alles fühlte sich so an wie "hier habt ihre eure Standfläche - macht damit, was ihr wollt" und wie "wir haben ja eine ganze Reihe von Promis eingeflogen, die man mit Bild dazu erkennt - das reicht doch von unserer Seite aus, oder?". Nirgendwo kommt auch nur ein Hauch von Comic-Con-Feeling auf - was auch ein Grund dafür sein könnte, das überraschend wenig Besucher in Cosplays herumliefen. Man bietet den Messegästen mit den ohnehin schon ziemlich teuren Eintrittstickets nichts weiter als die Gelegenheit noch viel mehr Geld auszugeben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Händler zufrieden aus der Veranstaltung herausgehen, weil die Leute all ihr Geld für die unverschämten Autogramm- und Selfiepreise beisammen halten müssen. Auch für die in ihrer Berühmtheit stark variierenden Nebendarsteller kann es kein schönes Erlebnis sein, einsam und vergessen an ihren Tischchen zu sitzen, weil sich niemand herantraut aufgrund des Abwägens, für wen man seinen Tagesverdienst nun ausgeben möchte (und irgendeine junge Frau, die mal im Prinz von Bel Air mitgespielt hat, schaut dabei sicherlich ziemlich in die Röhre). Mal ganz davon abgesehen, dass sie erleben müssen, wie viel sie wert sind, wenn die Schauspielerin am Tisch nebenan 30 Euro mehr für ihr Autogramm nehmen kann. Wenn jeder von ihnen einen 10er für ein Selfie nehmen würde, würden sie allesamt reich nach Hause gehen anstatt enttäuscht - denn ich kann mir nur vorstellen, dass die meisten andere Vorstellungen gehabt haben als sie die Einladung zur "Comic Con" erhielten. Ob man viele von ihnen ein zweites Mal in den Folgejahren antreffen wird, hängt wohl nur davon ab, wie verzweifelt sie sein werden.


Die letzten Artikel des Redakteurs:




Kommentare[X]

[X] schließen